g'raten, jetzt hat's mir


[ grodn ]

jetzt habe ich Glück gehabt


Wortart: Wendung
Kategorie: Veraltet, Historisch
Erstellt von: klaser
Erstellt am: 03.10.2015
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Kommentare (2)


Heute gehört in "Gottes Engel sind überall", Film Ö 1948. Auch gefunden in:
Arete. Wie abgeschmackt der Schnitt der Kleider.
Simplizius (aufbrausend). Das ist nicht wahr, ich bin – (faßt sich und sagt gelassen) nur weiter.
Arete. Nun hättest du dich bald verraten.
Simplizius. Ja, meiner Seel', jetzt hat's mir g'raten.
source: Die unheilbringende Zauberkrone, Kapitel 3, Ferdinand Raimund

klaser 03.10.2015


Ich bezweifle, dass mit diesem „geraten“ wirklich „Glück haben" gemeint ist, wie's zunächst ausschaun mag; eher ist’s wohl „reichen", „genug haben", siehe die Verwendung bei Hofmannsthal (und vielleicht entfernter auch bei Nestroy):

Jeronim: Mit solchen Reden ihrer vermaledeiten, satanischen Zungen [....] die Raben müssen ihnen die Zungen aus dem Maul hacken.
Anton: Jetzt hats g'raten! Jetzt zeig, dass du weißt, wo der Bartel den Most holt!
source: Hugo von Hofmannsthal, Der Turm (1928)
Ledig:Er ist fuchtig und grimmig aufbracht, Hätt' ich g'schaut, wo der Zimmermann hat 's Loch g'macht. ...
Falk: Ängsten hat er wie ein Schneider usw.
Ledig: Mir kann's g'raten, all's ausz'baden
’s Schicksal sagt zu mir mit Hohn
Ja … hat ihn, hat ihn schon
source: Nestroy, Unverhofft (1845)
Aber auch im Raimund-Beispiel, wo der Schneider Simplicius Zitternadel gekränkt wird, bezieht er sich wohl auf seine Empörung darüber, dass nicht nur sein Mut und seine Gestalt, sondern nun sogar seine berufliche Kunstfertigkeit beleidigt wird:
Arete. Damit du mich aber auch verstehst, so will ich dir sagen, wofür ich dich halte; Du bist ein unverschämter, erbärmlicher Mensch, [...] mutige Männer werden geliebt, mutlose verachtet man.
Simplizius: Da g'hört ein Stoiker dazu, um das zu ertragen. Lebe wohl, du wirst zu spät erfahren, wen du beleidigt hast. [...]
Arete: Dein Äußres ist mir schon zuwider.
Simplizius. Das schlägt mein Innres sehr danieder.
Arete: So hässlich ist kein Mann hienieden.
Simplizius: Die Gusto sind zum Glück verschieden.
Arete:Wie abgeschmackt der Schnitt der Kleider.
Simplizius (aufbrausend): Das ist nicht wahr, ich bin – (fasst sich und sagt gelassen) nur weiter.
Arete: Nun hättest du dich bald verraten.
Simplizius: Ja, meiner Seel', jetzt hat's mir g'raten.
Arete: Du musst mir sagen, wer du bist.
Simplizius: Ich bin ein Held, wie's keiner ist.
source: Raimund, Die unheilbringende Zauberkrone (1829), 29. Szene
"genug, es reicht" steckt auch im "Hat schon g'raten" eines NÖ Weihnachtsliedes von 1819:
Geh nur eilends, geh nur dann,
schau, wir sehma Bethlem schon,
jetzt wird seyn der Stall nit weit,
geh ma do schon lange Zeit!
Hat schon g'raten, ham's daraten,
source: Schatz österreichischer Weihnachtslieder. Weihnachtslieder und Hirtenspiele aus Niederösterreich.
Verbund der Volksliedwerke Österreichs und Südtirols

Koschutnig 03.10.2015



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