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Grattler, Grättler, Krattler

der, -s, -
[ gratlɐ ]

Karrenzieher, Landfahrer


Wortart: Substantiv
Tags: tirolerisch
Kategorie: Arbeitswelt Veraltet, Historisch
Erstellt von: Koschutnig
Erstellt am: 17.07.2016
Bekanntheit: 0%  
Bewertungen: 1 6

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Kommentare (1)


Der Karrenzieher (ein Gratlziacha, da's zumeist ein kleinerer Karren war) wird zum [gratlɐ], geschrieben auch "Grättler", denn "ä" war in Österreich die Schreibung des umgelauteten [a], wollte man es doch vom gewöhnlich [ɔ] gesprochenen "a" unterscheiden (vgl. "Grätz" => "Graz") .

So beschwert sich der Patscher Weglohneinnehmer Jakob Payr im Jahr 1707 darüber, daß die „Gratten Zieher" so überhandnehmen, daß mehr „Grättler" als Fuhrleute und Säumer auf der Ellbögner Straße zu sehen seien.
source: Georg Jäger, Kleinhäusler und Schellenschmiede, Früchtehändler und Pfarrwirte (2005)
Der Gratelziecher, Grattler: Karrenzieher, die Obst and anderes auf ihrem Karren, woran oft die ganze Familie sammt Esel zieht und schiebt, ins Ausland führen
source: Joh. Bap. Schöpf
Und die Menschen erst! Von dem Grattler auf der Straß' in seinem Plachenwagen und dem kläffenden Spitz unten auf dem Wagenbrett bis hinauf zum Senn' und den Jägerburschen
source: Anton von Perfall, „ Meine letzten Weidmannsfreuden“ (ca. 1905)

In Bayern entwickelte sich der "Grattler" jedoch immer weiter weg vom historischen Tiroler Landfahrer zu einem Schimpfwort für jede Art von Taugenichts, sodass die spätere und heutige bayrische Bedeutung von jener des Eintrags weit entfernt ist:
Im Bairischen gibt es für diese frühen Migranten einen besonderen Ausdruck, der heute noch gelegentlich Verwendung findet: Krattler oder Grattler. Aber Vorsicht, diesen Begriff bitte nicht wahllos verwenden. Damit macht man sich in Baiern garantiert keine Freunde ... Denn der Grattler oder Krattler gilt in Bayern als ein sozial niedrig stehender, wenig angesehener Mensch.
source: Thomas Grasberger, „Grant. Der Blues des Südens" (2012)
oamoi a Grattler, immer a Grattler
source: Franziska Weidinger, „Keine Sau hat mich lieb“. Roman (2013)
- ähnlich, wie aus den Slowenen alle möglichen nichtslowenischen "Schlawiner" geworden sind.
Koschutnig 17.07.2016



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Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.