Bollẹtte



    amtliche Bescheinigung


    Wortart: Substantiv
    Gebrauch: Österr. Standarddeutsch
    Tags: historisch
    Kategorie: Amts- und Juristensprache Veraltet, Historisch
    Erstellt von: Koschutnig
    Erstellt am: 20.11.2017
    Region: Klagenfurt(Stadt) (Kärnten)
    Bekanntheit: 0%  
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    Kommentare (1)


    Die Bollette - nein, keine Berliner Boulette, sondern vom ital. „la bolletta“ (heute eine Rechnung), das wieder von ital. „bolla“ (= Siegel; Schein) zu lat. „bulla“ (Kapsel, Siegelkapsel, Siegel) kommt - war im Österreich des 19. Jh. ein regelmäßig anzutreffender Begriff.
    Viel zu eng gefasst erklärt Duden die Bollette als österreichische Zoll-, und Steuerbescheinigung und lässt überdies den Hinweis „historisch“ oder „veraltet“ vermissen:
    Bollette, die
    Wortart: Substantiv, feminin
    Gebrauch: österreichische Amtssprache
    BEDEUTUNGSÜBERSICHT: Zoll-, Steuerbescheinigung
    source: Duden

    Zwar stößt man auf die Bollette am häufigsten in den österr. Zoll- und Abgabenvorschriften, und in diesem Kontext findet man
    Zoll-Bolletten, Esito-Bolletten, Einfuhr-Zahlungs-Bolletten, Losungs-Bolletten, Consumo-Bolletten, Ausfuhr-Anweisungsbolletten, Zahlungsbolletten, Freibolletten, Ersatz-Bolletten, Nebenbolletten, Duplikat-Bolletten,
    daher wohl das Missverständnis von Duden,
    aber es gab eben auch ganz andere Bolletten wie Reiseboletten, Abreis- Bolletten, Wegmaut-Valor-Bolleten, Erlaubnisboletten und Aufenthaltsbolletten (für Juden z.B.):
    Juden haben die erhaltenen Aufenthalts-Bollette (Formular einer solchen erhaltenen Aufenthalts-Bollettesiehe Beilage A. ) immer einen Tag vor ihrer Abreise, oder Falls sie aus gegründeten Ursachen eine Aufenthaltsverlängerung ansuchen zu können glauben, einen Tag vor Verlöschung [...] in dem Meldzimmer, in dem sie die Bollette erhalten haben, um so gewisser zurückzulegen, als sie sonst bei Nichtabgebung dieser Erlaubnißboletten als unbefugt sich in Wien Aufhaltende angesehen ... werden
    source: Chrysostomus Fauller, Gesetze, Verordnungen und Vorschriften für die Polizei-Verwaltung im Kaiserthume Oesterreich (1828)

    Und so erhielt man im Handel über die „Gränzen“ im 19. Jh. eine Bollette :
    Wenn nach vollzogener Beschau die Menge, Gattung und Beschaffenheit der Waare mit der Erklärung übereinstimmend befunden worden ist, so berechnet das Amt die Zoll- und Nebengebühren und stellt die Bestätigung über das gehörig vollzogene Zollverfahren, die sogenannte Bollette aus. [...]
    Die Waare wird einzig nur gegen Vorzeigung der Bollette ausgefolgt. Bei Esito - und Transito-Gütern muss die Bollette dem Fuhrmann oder Schiffer nebst dem Frachtbriefe übergeben werden, damit dieser sich allenthalben über die gehörig geschehene Verzollung ausweisen kann [...]
    Ist man rücksichtlich der Beschau in Ordnung, so begibt man sich zurück ins große Amtszimmer, lässt die Bollette ausfertigen, [...], geht sodann mit der bezahlten Bollette zu dem Protokolle, [...] lässt die Bollette dort ausschreiben, bezahlt hierauf die Geschwornen- und Träger-Gebühr und nimmt die Waare nach Hause.
    source: Ditscheiner, Neuester und vollständigster Hand-Geschäfts-Nothhelfer, und Rechnungsfaullenzer (1843)

    So wie „la bolletta“ im Italienischen dann zur Bedeutung „Rechnung“ oder „Schein, Polizze“ eingeengt wurde, erscheint die „Bollette“ auch in Österreich um 1900 als Rechnung:
    Folgende Gebrechen in der Führung der Dienstschriften:
    a) Wenn eine Bollette, Quittung oder amtliche Bescheinigung, für welche die juxtierte Ausfertigung vorgeschrieben ist, ausgestellt wird, ohne dass dieselbe früher vollständig in das Amtsbuch (die Juxta) eingetragen wurde ;
    b) wenn eine Bollette, Quittung oder amtliche Bescheinigung ....
    source: Ignaz Lasus, Instructionen und Normalverordnungen für das Münz- und Punzirungswesen (1900)

    Koschutnig 20.11.2017



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